Michael Hoyer bei den Skipetaren


Es ist der vielleicht letzte weiße Fleck auf europäischen Landkarten: – Skiperia. Besser bekannt unter dem Ländernamen Albanien. Jahrzehnte lang hermetisch abgeschottet von der Außenwelt, klaffen in diesem Mittelmeerland Vorurteile und Realität weit auseinander. Albanien ist arm – und reich! Arm, weil hier wirklich Armut herrscht.

Reich an landschaftlicher Vielfalt, reich an Bergen und außergewöhnlich schönen Seen und reich an freundlichen Menschen mit mediterranem Lebensgefühl. Wenn man Albanien bereist, dann sollte man sich auf außergewöhnliche Überraschungen gefasst machen. Eigentlich ist Albanien gar nicht so weit vom Schwarzwald entfernt. Mit dem Flugzeug dauert es nur 2 Stunden. Und trotzdem ist Albanien für die meisten Deutschen ein gänzlich unbekanntes Land.

Mit dem Motorrad dauert die Anreise deutlich länger als zwei Stunden - um es genau zu nehmen - man ist zwei Tage unterwegs. Der erste Tag ist gekennzeichnet von einer langen und sehr eintönigen Anfahrt in das italienische Ancona. Von hier dauert es dann noch 17 Stunden mit der Fähre bis man in Durres albanischen Boden unter die Räder nehmen kann. Albanien besteht eigentlich nur aus Gebirge. Das ist ja schon einmal Grund genug, die Enduro mit Stollenreifen zu bestücken und diese Offroad-Destination anzusteuern. Die Erwartungen sind hoch - kenne ich doch die vielen Westalpen-Offroad-Strecken mittlerweile wie meine so oft zitierte Westentasche. Die Reaktion von Freunden und Bekannten war einhellig als sie erfuhren, dass ich den Balkanstaat reisen möchte: Pass auf - das sind alles Kriminelle - Autoschieber und Waffenschmuggler - und die hygienischen Zustände - und und und... Einzig meine Frau ermunterte mich, die Reise zu machen - sie war in diesem wanderbaren Land vor drei Jahren wandern und schwärmte in den höchsten Tönen.

Beim Verlassen der Autofähre in Durres spürt man gleich, dass Albanien einzigartig ist. Ich atme gierig die Abenteuer geschwängerte Luft und schlängele mich aus der überfüllten und hektischen Hafenstadt Durres hinaus Richtung Süden. Nächster Halt ist die Stadt Berat, die auch die Stadt der tausend Fenster genannt wird. Diese Stadt ist 1961 offiziell zur Museumsstadt ernannt und 2008 dem UNESCO-Welterbe zugeordnet worden. Hier könnte man sicher einige Tage verbringen - aber - mich dürstet nach Enduro-Offroad-Abenteuer und so geht es gleich am nächsten Morgen auf den Tomorr, der mit 2415 Höhenmetern einer der höchsten Berge im südlichen Albanien ist. Auf der Südspitze befindet sich das Grab des Abbas Ali. Dies ist eine Pilgerstätte der Bektaschi, einer religiösen Minderheit in Albanien, die dem Buddhismus aber auch dem Islam nahe steht. Abbas Ali war ein Halbbruder von Husain, dem Enkel des Propheten Mohammed, die beide in der Schlacht von Kerbela starben. Abbas Alis Seele ließ sich im Glauben der Bektaschi nach seinem Märtyrertod auf dem Berg nieder, bevor sie in den Himmel stieg.

Leider war es mir nicht vergönnt bis auf den Gipfel des Tomorr zu fahren. Etwa 150 Höhenmeter unter dem Gipfel versperrten große Schneefelder die Weiterfahrt, sodass ich mich wieder ins Tal hinabschwinge und Richtung Corovode fahre. Die Offroad-Pisten in Albanien sind allgemein in einem sehr ruppigen und anspruchsvollen Zustand. Der Untergrund ist häufig lehmig, sodass die tief ausgewaschenen Pisten manchmal zur echten Schlammschlacht werden. Der Gradec Canyon ist auf dem Weg in die Stadt Permet ein wahrer Augenschmaus. Der Fluss Osum durchfließt von Südosten kommend mehrere insgesamt fast 15 Kilometer lange Canyons mit teilweise bis zu 350 Meter hohen Felswänden, deren letzte Ausläufer bei Corovoda enden.

Wenn man nicht genau wüsste, man befindet sich in Albanien dann könnte dieses Naturschauspiel auch irgendwo in den Rocky Mountains gelegen sein. Insgesamt habe ich mir 9 Tagestouren zusammengestellt, um vom Süden in den Norden Albaniens zu reisen und hierbei möglichst wenig Teer, sondern viel Offroad-Spaß unter die Räder zu nehmen. Man kann schon sagen, dass in Albanien noch viele Hauptverkehrswege ungeteert und grobgeschottert sind. Die Passagen in den Bergen sind häufig wirklich nur mit offroad-tauglichen Fahrzeugen und sehr guten fahrerischen Leistungen zu meistern. Die nächste Tour geht dann von Permet über Leskovik nach Pogradec. Kurz hinter Permet biegt eine kleine Stichstraße ins Gebirge ab, die in Benja zu einer eleganten osmanischen Steinbogenbrücke, die sich malerisch über ein kleines Flüsschen schwingt, endet. Bei dem durchdringenden Schwefelgeruch muss man nicht lange rätseln: hier gibt es Schwefelquellen - es gibt auch kleine Steinbecken zum Baden. Mit einem Ausstoß von über 160 Litern pro Sekunde sind die Thermalquellen von Benja die wasserreichsten des Landes. Die Quellen waren schon zur römischen Zeit bekannt. In der kommunistischen Ära Albaniens gab es in Benja einen Badetourismus von wenigen hundert Personen pro Jahr. Heute bestehen Pläne, eine Badeinfrastruktur zu errichten und auch die anderen Sehenswürdigkeiten im Flusstal und in den umliegenden Dörfern besser zugänglich zu machen.

Man erkennt an vielen Stellen, dass sich Albanien mit seiner sozialistischen Vergangenheit öffnet und mit großen Schritten dem möglichen EU-Beitritt entgegenstrebt. Eine der "touristischen Metropolen" bildet hierbei Pogradec. Diese Stadt liegt am Ohridsee und grenzt unmittelbar an Mazedonien. Der Ohridsee ist der zweitgrößte See der Balkanhalbinsel sowie einer der ältesten der Erde. Er befindet sich im Südwesten Mazedoniens, dessen größtes Gewässer er ist, beziehungsweise im Osten Albaniens. Hier versucht der Tourismus richtig Fuß zu fassen. Generell kann man sagen, dass Albanien für deutsche Touristen sehr preiswert ist.

Die Lebenshaltungskosten, Sprit und Hotelkosten liegen deutlich unter den deutschen Mittelwerten. Für einen günstigen Urlaub in Albanien muss man allerdings Eingeständnisse bei dem Thema Luxus und Vielfalt machen. Man darf nicht vergessen, dass sich Albanien erst sein knapp 30 Jahren westlich orientiert und stets dabei auf eigene Traditionen achtet. Traditionell geht es auch auf dem Markt von Proptisht zu. Die Händler präsentieren ihre Waren links und rechts der Straße und die vielen Autofahrer fahren mit ihren Autos durch den Markt und halten dort an, wo sie etwas kaufen möchten und ignorieren den dadurch verursachten Stau. Mit dem Moped ist man da weniger gehindert und kann sich durch die Autokolonne hindurchschlängeln.

Die anschließende Weiterfahrt über Librazhid nach Burrel entpuppt sich nicht nur als die längste Etappe mit 245 km, von denen über zweidrittel offroad sind, sondern auch als eine sehr schwierige Etappe. Landschaftlich ist diese Tour im albanischen Gebirge auf knapp 1500 Metern Meereshöhe wunderschön. Da es jedoch in den vergangenen Tagen und Nächten sehr viel geregnet hat, ist die Fahrt durch die vielen Mischwaldpassagen extrem schwierig. Viele Stellen stehen bis zu 50 Zentimeter unter Wasser und die Wasserdurchfahrten erstrecken sich teilweise bis zu 100 Metern Länge. Dieser "Urwald" muss auf ca. 20 Kilometern Länge durchfahren werden und bei jeder Wasserdurchfahrt muss darauf geachtet werden, dass man in dem schlammigen Wasser nicht gegen größere Steine fährt und dabei sogar stürzt.

Das Thema Wasser bleibt mir an diesem Tag erhalten. Am Pass Qafa e Shtylles habe ich das Regenwasser nicht nur von unten - auch der Himmel öffnet nun seine Schleusen und es beginnt heftig zu regnen. Zum Glück sehe ich ein paar Waldarbeiter in einer Hütte, die mich gleich zu sich winken. Obwohl ich kein Wort Albanisch spreche (und die Waldarbeiter kein Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch sprechen) erklären mir die freundlichen Albaner, dass ich mich zu ihnen setzen soll. Schnell ist ein türkischer Kaffee mit viel Zucker gekocht und ich soll mit meinen neuen Freunden mit einem Raki anstoßen. Da ich diesen Schnaps prinzipiell schon leiden kann, fällt es mir schwer die freundliche Einladung auszuschlagen - aber Mopedfahren und Alkohol... Es ist beeindruckend, wie freundlich die Menschen in Albanien sind. Noch nie habe ich eine solch ausgeprägte Gastfreundschaft gegenüber Fremden, vor allem gegenüber Deutschen, erlebt.

Wenn ich an einer Weggabelung stehe und auf die Landkarte schaue, dann eilen sofort freundliche Albaner auf mich zu und versuchen mir zu helfen. Die vielen Vorurteile, die wir gegen diesen Balkanstatt hegen, sind wirklich veraltet und überholt. Nach der rumpligen und anstrengen Fahrt gestern steht heute ein echtes Sahnestück auf dem Programm. Die Fahrt geht auf zwar engen, aber nicht schwierig zu befahrenden Schotter- und Lehmpisten nach Kukes. In Muhur treffe ich am Wegesrand auf eine ganz kleine Wirtschaft, die von vielen Einheimischen in Beschlag genommen wurde. Neugierig nähere ich mich - und schon sitze ich mitten im Geschehen. Eine schmackhafte gegrillte Forelle findet ihren Weg auf meinen Teller und anschließend in meinen Bauch und beim anschließenden Raki muss ich wieder freundlich ablehnen. Der zweite Teil der heutigen Tour geht entlang des Flusses Drin. Der Fluss befindet sich in einer bemerkenswerten Landschaft. In diesem Gebiet vereinigen sich der von Nordosten kommende Weiße und der von Süden kommende Schwarze Drin. Der Flusslauf ist in den Nordalbanischen Alpen, die westwärts durchquert werden, beinahe ausnahmslos gestaut. Immer wieder denke ich bei den Fahrten durch das albanische Gebirge, dass der Herrgott wirklich gute Laune hatte, als er diese Berge formte.

Am nächsten Tag geht die Fahrt von Kukes aus nach Shistavec. In dieser Grenzregion zu Mazedonien ist Albanien vielleicht am ursprünglichsten. Vereinzelte Weiler säumen den Weg und die Bauernhäuser sind strohbedeckt. Schnell habe ich den Eindruck, dass hier die Armut am weitesten im ganzen Land verbreitet ist und schnell bemerke ich, dass die Menschen in dieser Grenzregion besonders freundlich sind. Überall winken mir Männer, Frauen und Kinder zu - und als ich mein Moped in einer Hofeinfahrt für ein paar Fotos abstelle, kommt eine Frau auf mich zu und lädt mich spontan zum Essen ein. Sie ist allein und ohne Scheu winkt sie mich in die Stube des Bauernhofs hinein. Die Verständigung ist mehr als schwierig, denn mein Albanisch ist zwischenzeitlich nicht besser geworden und sie spricht keine anderen Sprachen. Sie möchte nicht fotografiert werden, sodass diese wunderbare Begegnung nur in meiner Erinnerung verankert werden kann und ich werde die Stimmung voller Gastfreundschaft nie vergessen. Nach ein bisschen frischgebackenen Brot und köstlichem Kaninchenfleisch verabschiede ich mich und ich frage mich, wie ich wohl reagieren würde, wenn ich überraschend nach Hause käme und meine Frau mit einem wildfremden Mann alleine in unsere Küche sitzen würde...

Gut gestärkt fahre ich weiter entlang des mazedonischen Grenzkamms, der voller Überraschungen ist. Der lehmige Boden ist vollkommen aufgeweicht, sodass sich die Weiterfahrt als eine echte Schlammschlacht entwickelt, die in höheren Region dann durch ruppige Steinpfade ersetzt wird. Albanien ist auch das Land der Gegensätze: Ist die Grenzregion um Shistavec an der mazedonischen Grenzen wirklich ärmlich und kärglich, so strotzt Mutter Natur im Valbonatal mit Superlativen. Die gut befestigte Straße gibt immer wieder die Sicht frei auf die hohen Berge. Der Fluss Valbona ist von einer intensiv türkisfarbenen Farbe geprägt. Der Nationalpark Valbonatal schützt einen Teil der Albanischen Alpen, im oberen Tal der Valbona, in Nordalbanien. Es handelt sich um unberührte Hochgebirgslandschaft auf der Süd- und Ostseite der Jezerca, dem höchsten Berg Albaniens, der gänzlich innerhalb der Landesgrenzen liegt sowie im oberen Abschnitt des Valbonatals inklusive der Orte Valbona und Rrogam.

Entlang der Flanken der Täler liegen ausgedehnte Wälder. Die höheren Regionen des karstigen Gebirges sind geprägt von alpinen Matten. In einigen schattigen Regionen gibt es ganzjährig kleine Schnee- und Firnfelder sowie mehrere kleine Gletscher. Der Nationalpark umfasst eine Fläche von 8000 ha und wurde 1966 gegründet. Trotz des Bevölkerungsschwunds aufgrund der abgelegenen Lage, hat sich in den letzten Jahren eine bescheidene touristische Infrastruktur entwickelt. Das Valbonatal ist sicherlich einer der Gründe, warum Albanien vor allem bei Bergwanderern und Trekking-Begeisterten sehr beliebt ist. Die Fahrt geht weiter vorbei an Bejram Curri nach Fierze. Dort angekommen, entscheide ich mich für die Weiterfahrt. Sicher wäre die als legendär bewertete Fährfahrt auf dem Stausee von Koman schön - aber die Fähre fährt erst am nächsten Tag wieder. Der Koman-See ist rund zwölf Quadratkilometer groß und hat eine maximale Tiefe von 96 Metern. Die Staumauer von Vau-Deja, die den Vau-Deja-Stausee bildet, befindet sich am westlichen Rand des Gebirges. Der letzte Stausee hat eine Fläche von 24,7 Quadratkilometer und bildet unendlich viele Canyons, um die die Straße herumgebaut wurde.

So entschließe ich mich zur Weiterfahrt und schwinge mich beherzt in eine der kurvenreichsten Strecken in Albanien: die SH22 Qafe Mali mit Ziel Shkodra. Es ist UNGLAUBLICH - die Straße führt in JEDEN CANYON hinein und wieder heraus. Ich habe ALLE Kurven mitgezählt: 1268854775632 Kurven waren es... Shkodra liegt zwischen dem Skutarisee und den Flüssen Kir, Drin und Buna. Die Grenze zu Montenegro ist nicht weit und beträgt gut 30 Kilometer. Shkodra ist eine alte Stadt die bereits im 4. Jahrhundert vor Christus zum ersten Mal erwähnt wurde. Shkodra ist die bedeutendste Stadt in Nord-Albanien und nach der Hauptstadt Tirana die zweitgrößte im Land. Shkodra ist nicht nur eine sehr sehenswerte Stadt - von hier aus kann man gleich zwei wunderbare Offroadtouren unter die Räder nehmen: Vermosh und Theth. Aber der Reihe nach: Die Straße ins Kelmend in Richtung Vermosh ist zunächst asphaltiert und ausgebaut und zweigt bei Han i Hotit am Nordostende des Shkodrasees kurz vor dem Grenzübergang zu Montengero ab. Es geht unter der Eisenbahn durch und an den Häusern sowie der Kirche von Han i Hotit vorbei. Schnell steigt die Straße auf fast 800 Meter an - unterwegs hat man einen schönen Blick zurück zum Shkodrasee. Beim Dorf Rrapsh eröffnet sich ein breites Hochtal.

Am nördlichen Ende fällt dieses Tal abrupt 600 Meter tief zum Fluss Cem hinunter ab. Der Ausblick, der sich hier eröffnet, ist eine der größten Attraktionen der Region. Weit unten die Cem-Schlucht mit steilen Felswänden, rundherum die eindrückliche Bergwelt des Kelmend und dahinter noch ein paar Gipfel des nördlich angrenzenden Montenegro. Von einem Balkon aus hat man den schönsten Blick in die tiefe Schlucht - ein obligater Fotostopp. Die Ende der 60er Jahre erbaute und vor kurzem asphaltierte Straße windet sich in vielen Serpentinen den Abhang hinunter. Beim Anblick dieser Straße muss ich unweigerlich mit der Zunge schnalzen und verspüre ein Kribbeln in der Magengegend. Die vielen Serpentinen erinnern sehr stark an das Stilfser Joch.

Der große Unterschied ist, dass hier kein Verkehr herrscht und ich die Straße für mich alleine habe. Was für ein Genuss. Unten im Tal schlängelt sich die Straße weiter nach Nordosten ins Zentrum des Kelmend hinein. Dem Cem-Tal flussabwärts folgend ist der Bau einer neuen Verbindungsstraße mit Grenzübergang in Richtung Podgorica (ehemals Titiograd) geplant, die sicherlich viel Durchgangsverkehr in die Region bringen wird. Davon ist heute noch nichts zu spüren und ich fahre bis Vermosh, einem kleinen und verschlafenen Dorf in den Albanischen Bergen. Der nächste Tag hält dann ein Enduro-Feuerwerk besonderer Güte parat: Der Nationalpark Theth. Dieser Teil des albanischen Gebirges gilt bei Wanderern als Geheimtipp. Und in der Tat ist die Landschaft wirklich grandios.

Der Nationalpark Theth wurde nach dem winzigen Dorf Theth benannt. Durch seine abgeschiedene Lage ist dort die unberührteste Naturlandschaft Albaniens zu finden. Der Nationalpark Theth wurde 1976 gegründet und liegt im Norden Albaniens in den "Albanischen Alpen". Namensgeber für den Nationalpark ist die Streusiedlung Theth, die sich über mehrere steile Hänge verteilt und sich durch die schwierige Erreichbarkeit ihre wildromantische Einzigartigkeit erhalten konnte. Der Nationalpark bietet alles was das Enduroherz begehrt. Atemberaubende Wege durch das Gebirge, unvergleichliche Ausblicke in die albanischen Alpen, schneebedeckte Gipfel, steil abfallende Hänge, die in tiefen Tälern münden.

Im Winter ist Theth wegen seiner Lage oft monatelang von der Außenwelt abgeschnitten. Die meisten Bewohner haben Theth wegen der mangelnden wirtschaftlichen Perspektiven mittlerweile verlassen. Während in den 80er Jahren noch bis zu 7.000 Menschen ganzjährig in Theth lebten, sind es heute gerade einmal 80. Die Ortschaft Theth ist primär nur über eine unasphaltierte Piste über den 1630 m hohen Terthorja-Pass erreichbar und auch das nur in der schneefreien Jahreszeit. Ausgangspunkt ist die Stadt Shkodra - über Koplik geht es dann auf 65 Kilometern nach Theth. Hier darf man sich auf eine atemberaubende Fahrt mit tollen landschaftlichen Höhepunkten einstellen. In Teth angekommen sind die Arterien voller Endorphine und man ist glücklich in einer so grandiosen Bergwelt offroad fahren zu können. Nach einer leckeren Tasse Kaffee geht es dann über das Kir-Tal nach Shkodra zurück.

Dieser Teil der der knapp 150 Kilometer langen Teth-Offroad-Runde ist es ein Leckerbissen besonderer Art. Stundenlang sieht man kein anderes Fahrzeug. Für die verbleibenden 40 Offroad-Kilometer benötigen ich knappe fünf Stunden. Die steilen Auffahrten, loses Geröll, Wasserdurchfahrten und Schlammlöcher machen den Ritt mit der GS1200 wirklich schwer. Eigentlich dachte ich, dass ich auf dieser Strecke wirklich alleine sei. Aber nach kurzer Zeit fahre ich auf zwei Deutsche Enduristen mit jeweils einer GS800 auf. Als das Kir-Tal anfing schwer zu werden und die erste Wasserdurchfahrt geschafft war, standen die beiden bereits völlig abgekämpft am Wegesrand. Einer meinte, dass er das Moped bereits viermal umgeworfen hat - aber die Rückfahrt sei ja quasi unmöglich. Ich habe gefragt, ob ich helfen kann - NEIN meinten die beiden einhellig. Aber wie gesagt, da fing es ja erst an schwierig zu werden. Wie die wohl die ganze Strecke gemeistert haben...?

Manchmal ist das Wissen um eine mögliche schwierige Rückfahrt schwerwiegender, als die Unwissenheit bezüglich der Strecke, die vor einem liegt. Die Steinstufen und Treppenabsätze waren wirklich gewaltig und man muss immer mit viel Schwung frontal dagegen fahren. Das ist ja bei einer Steinstufe nicht so schwierig. Knibbelig wird es, wenn bei ca. 30 % bis 40% Steigung gleich fünf bis sechs solcher Stufen kommen. Das rumpelt dann wie verrückt. Man hat 250 kg unter dem Hintern, 125 wütende PS, die am Kardan zerren und der Respekt vor dem Berg nötigt einem dann wirklich alles ab... Am Ende dieser Tour habe ich ein Wort vor Augen, welches den heutigen Tag charakterisiert: Wahnsinn!!! Wahnsinn, was diese Offroad-Motorräder aushalten... Ich reise ja mit einer von Touratech ausgestatten BMW GS1200, mit viel nützlichem Zusatz-Equipment, wie ZEGA-Koffer, Sturzbügel, Motorschutz, Toutatech-Fahrwerk und einer sehr guten Sitzbank.


Wahnsinn - das Wort bleibt, wenn ich an die unberührtere Natur denke. Wahnsinn, wenn ich an die fahrerischen Herausforderungen denke, die diese Runde beinhaltet. Wahnsinn - wie schnell das erste Bier bei der Ankunft im Hotel in Shkodra verdampfte... Die letzte Etappe bei meiner Albanien-Rundfahrt ist Tirana. Die Fahrt von gestern hat schon ganz schön die physischen Reserven sowie die Psyche gefordert. Darum "rasiere" ich heute beste Asphaltkurven auf der Fahrt in die Landeshauptstadt. Kurios war auch diese Fahrt, die teilweise entlang der Küste ging, in jedem Fall. In einer einsamen Bucht hatte ein Hirte eine Kuhherde an den Strand getrieben. Die Kühe legten sich zum ausgiebigen Sonnenbad an den Strand und in das seichte Wasser. Der Hirte hockte in aller Seelenruhe am Strand und beobachtete die Szene. Die Kühe fanden diesen Ausflug durchaus gut - ob spätere menschliche Besucher diesen Strandabschnitt besuchen werden bleibt fraglich - die Kühe haben doch große Hinterlassenschaften in Form von Kuhfladen hinterlassen.

Kategorie: Adventure | Travel